„Seine Musik ist gleichwohl energiegeladen und zerbrechlich.“
Dean DeBlois, Regisseur
John Powell war erst sieben Jahre alt, als er ein Musikinstrument in die Hand nahm: die Geige. Sein Vater, ein Tubaspieler der Royal Philharmonics, machte ihm Mut – bis zu einem gewissen Punkt. Powell erinnert sich: „Er hat immer gesagt: Sei kein Spieler, sei ein Komponist. Ich nahm mir das schliesslich zu Herzen.“ Und wie.
Der Wirtschaftsmigrant
John Powell, geboren in East Sussex, studierte am Trinity College of Music in London und spielte Keyboards für eine Soul-Gruppe. Er verliess das College, um klassische Konzertmusik zu schreiben, musste jedoch realisieren, dass er sich damit noch nicht seinen Lebensunterhalt verdienen konnte. Stattdessen begann er, Werbe-Jingles zu komponieren und sich mit viel Begeisterung der Computer-gestützten (Synthesizer) Komposition zuzuwenden.
Im Jahr 1997 zog Powell nach Los Angeles. „Ich sage immer, ich bin ein Wirtschaftsmigrant. In Grossbritannien gab es einfach zu wenig Arbeit. Zudem wollte ich mich über Werbe-Jingles hinaus weiterentwickeln“, erinnert er sich. „Also kam ich 1997 nach Venice Beach und beschloss, mir ein Jahr Zeit zu geben und zu sehen, was passiert. Innerhalb einer Woche bekam ich einen Anruf von Hans Zimmer.“

„Innerhalb einer Woche bekam ich einen Anruf von Hans Zimmer.“
John Powell, Komponist

Solo-Debüt bei Hans Zimmer
Zimmer wurde auf Powell aufmerksam, da er von dessen Kompositionsarbeit mit Synthesizern vernommen hattte. Bereits 1997 gab John Powell sein Solo-Debüt als Filmkomponist für den Action-Kracher «Face / Off». Dabei hatte Powell als Teenager nur Ohren für klassische Musik, doch katapultierten ihn seine Arbeiten an «Antz», «Chicken Run» und vor allem dann für die «Bourne»-Trilogie ans Hollywood-Firmament. Powell: „Ich liebte den Soundtrack zu «The Great Escape» von Elmer Bernstein, weshalb mich das Engagement für «Chicken Run» sehr freute, denn es war eine Hommage an diesen Film.“
Powells Liebe für Animationsfilme
Als John Powell seine Arbeit an «How to Train Your Dragon» begann, hatte er bereits viel Erfahrung im Vertonen von Animationsfilmen. Powell: „In Animationsfilmen steckt eine riesige Detailarbeit. Die Filmemacher sind regelrecht besessen von Details und fordern solche auch von mir als Komponist. Das reizt mich. Hinzu kommt, dass Musik für Animationsfilme meist mehr Fröhlichkeit mit sich bringt. Deshalb vertone ich immer wieder gerne Animationsfilme.“
Unser Konzert-Tipp

«How to Train Your Dragon» – in Concert
City Light Symphony Orchestra
Freitag, 9. Januar 2025 | 19:30 Uhr
Samstag, 10. Januar 2025 | 19:30 Uhr
KKL Luzern · Konzertsaal
„Sibelius war der Schlüssel“
Auch in Bezug auf «How to Train Your Dragon» hatten die Produzenten bereits detaillierte Vorstellungen von der musikalischen Identität. John Powell erinnert sich: „Sie waren oft sehr spezifisch. Sie wollten Grösse, Tiefe und Emotion. Sie wollten ein Gefühl der nordischen musikalischen Vergangenheit.“ Und hier kam Powell sein Wissen über klassische Musik zur Hilfe: „Die sinfonische Vergangenheit war Carl Nielsen, der dänische Symphoniker. Edvard Grieg zu einem gewissen Grad. Sibelius war der Schlüssel. Bereits im Kindesalter habe ich viel Sibelius studiert und ich habe seine Musik immer geliebt. Zudem mag ich die Musik der isländischen Pop/Rock-Band Sigur Rós. Sie waren auch ein Einfluss. So erklingen auch schwere, dunkle Gitarrentexturen, die in den grossen Orchesterklang eingebettet sind. Ich bin teilweise schottisch und wuchs mit viel schottischer Volksmusik auf. Auch dieser Stil und die keltische Musik haben mich inspiriert.“

Keine chronologische Vertonung
Seine Arbeit an «How to Train Your Dragon» startete John Powell nicht mit der Eröffnungssequenz und er vertonte den Film auch nicht chronologisch. Als Ausgangspunkt wollte er sich den Szenen widmen, in denen Hiccup und Toothless fliegen. Powell: „Diese Szenen sah ich als grosse Herausforderung. Ich wusste, dass die Filmemacher von der Musik forderten, dass diese das überwältigende Gefühl des Fliegens genauso einfängt, wie die umwerfenden Bilder es tun – dieses massive, Kloss-im-Hals-artige, aufregende, freudige Gefühl, das sie in diesen Szenen ausgedrückt haben wollten.“
„Ich wollte, dass in der Forbidden Friendship-Sequenz Elemente meiner Filmmusik ihren Ursprung haben.“
John Powell, Komponist
Die schwierigste Szene
Die schwierigste Szene sei dann aber letztlich die Forbidden Friendship-Szene gewesen. Powell: „In dieser Szene lernen sich der Drache und der Junge kennen. Es geht um Vertrauen. Das musste auch aus musikalischer Sicht sehr sorgfältig angegangen werden, und daher schrieb ich die Musik zu dieser Sequenz erst ganz am Ende meiner Kompositionsarbeit für diesen Film. Ich wollte, dass in dieser Sequenz Elemente meiner Filmmusik ihren Ursprung haben. Das konnte ich jedoch erst umsetzen, nachdem ich die Filmmusik weit genug entwickelt hatte.»
Unser Konzert-Tipp

«How to Train Your Dragon 2» – in Concert
City Light Symphony Orchestra
Freitag, 6. November 2026 | 19:30 Uhr
Samstag, 7. November 2026 | 19:30 Uhr
Sonntag, 8. November 2026 | 11:00 Uhr
KKL Luzern · Konzertsaal

Am Ende von John Powells Arbeit an «How to Train Your Dragon» konnte er Melodien und Elemente der Filmmusik nehmen und sie in kleinere Stücke umarbeiten. Powell: „Diese melodiösen Ausschnitte verwendete ich für die Forbidden Friendship-Sequenz. So handelt es sich nicht nur für den Film um eine Schlüsselszene, sondern auch für die Musik. Hier erklingen Ausschnitte und einzelne Noten von Melodien, die sich im Verlauf der Musik weiter entwickeln.“ Womit es die Musik der Freundschaft zwischen Hiccup und Toothless gleichtut.
Ein Regisseur voll des Lobes
Regisseur Dean DeBlois über John Powell: „Die Magie, die er unserer mythischen nordischen Welt einhaucht, gibt ihr Erhabenheit, Reichweite und Intimität zugleich. Seine Musik ist gleichwohl energiegeladen und zerbrechlich. Sie begleitet Hiccup auf seiner Reise hin zur mutigen Eigenständigkeit und zur Selbstentdeckung.“