Ein Netz an Herausforderungen – Die Musik zu «Spider-Man™: No Way Home»

“Ich wollte nicht das tun, was bereits getan wurde.”

Michael Giacchino, Komponist
Michael Giacchino

Der preisgekrönte Komponist Michael Giacchino, der die Musik zu allen drei Spider-Man-Filmen mit Tom Holland geschrieben hat und auch den vierten Film, der im Sommer 2026 erscheinen soll, vertonen wird, hat eine ganz genaue Vorstellung davon, worum es in den Spider-Man-Filmen geht: „Für mich sind die Spider-Man-Filme keine Superhelden-Filme, sondern Peter-Parker-Filme. Sie handeln von diesem Jungen und seinen Emotionen, seinen inneren Auseinandersetzungen, seinen Ängsten und Hoffnungen.“

Michael Giacchino, der die Musik zu Blockbustern wie Pixars «The Incredibles» (2004), «Rogue One: A Star Wars Story» (2016) und «The Batman» (2022) beisteuerte, traf mit seiner Herangehensweise an die Musik für die neuen Spider-Man-Filme ab dem Jahr 2017 nicht nur den Ton des Charakters, sondern mit einem Ohwurm-Hauptthema auch direkt ins Herz des Publikums.

Frischer Ansatz

Als Michael Giacchino seine Arbeit am ersten seiner «Spider-Man»-Filme im Jahr 2016 startete, bekam er von den Produzenten und von Regisseur Jon Watts den klaren Auftrag, die Figur Spider-Man musikalisch als jugendlichen, optimistischen Helden mit eigener Identität zu porträtieren – weg von den eher tragisch geprägten Klängen der Vorgängerversionen, die bis ins Jahr 2002 zurückreichen und für die Hollywood-Grössen wie Danny Elfman, Christopher Young, James Horner und Hans Zimmer Filmmusik komponierten, wobei jeder von ihnen neue und eigene Ideen und Themen schuf.

Diese musikalische Vorgeschichte war für Michael Giacchino eine Inspiration und eine Herausforderung zugleich: „Es ist nicht einfach, für einen Spider-Man-Film Musik zu schreiben, weil es bereits viele Spider-Man-Filme gibt. Ich möchte nicht das tun, was bereits getan wurde, und dieser Film markiert einen völlig neuen Ansatz für diesen Superhelden.“

Bild aus "Spider-Man: No Way Home" - Die Charaktere Peter Parker, MJ und Ned stehen zusammen.

“Es ist nicht einfach, für einen Spider-Man-Film Musik zu schreiben,
weil es bereits viele Spider-Man-Filme gibt.”

Michael Giacchino, Komponist

Ein Ohrwurm für Spider-Man

Sein neues Spider-Man-Thema sprüht nur so vor jugendlichem Elan und auch ein wenig Leichtsinn. Es ist aufmüpfig, voranpreschend und in der Intonation sprunghaft, wobei es wahren Ohrwurmcharakter aufweist (zu hören unter anderem in der End Credits-Suite aus «Spider-Man: No Way Home» im YouTube-Video links).

Seit «Homecoming», dem ersten Spider-Man-Film mit Tom Holland in der Titelrolle, zieht sich dieses Thema wie ein roter Faden durch die Spidey-Kinoabenteuer – so auch im zweiten Teil, «Spider-Man: Far From Home» (2019) und im dritten Teil, «Spider-Man: No Way Home» (2021).

Unser Konzert-Tipp

Poster zum Film "Spider-Man: No Way Home"

Spider-Man™: No Way Home – in Concert

City Light Symphony Orchestra
Kevin Griffiths · Leitung

Samstag, 21. März 2026 | 19:30 Uhr
Sonntag, 22. März 2026 | 17:30 Uhr
KKL Luzern · Konzertsaal


Neue Vorgaben für «Spider-Man: No Way Home»

Doch im dritten Teil der Trilogie verschoben sich die musikalischen Vorgaben spürbar: Die Musik musste den emotional deutlich schwereren Weg von Peter Parker, seine wachsende Superhelden-Verantwortung, den Verlust von Freunden und die Multiversum‑Konflikte widerspiegeln, zugleich aber respektvoll mit den zwischenzeitlich fest etablierten Musikthemen der früheren Spider-Man-Filme umgehen.

Regisseur Jon Watts und Marvel wünschten sich eine Filmmusik, die grosse Superhelden-Momente liefert, aber vor allem auch Peter als Figur durch die drastischen Story-Wendungen trägt.

Standbild aus "Spider-Man: No Way Home" - Spider-Man springt mit MJ von einer Brücke
Standbild aus "Spider-Man: No Way Home" - Peter Parker und die Multiversum-Bösewichte im Aufzug.

Viele Themen, grosse Herausforderung

Kompositorisch ging Giacchino in «Spider-Man: No Way Home» von seinem etablierten Hauptthema aus. Für den dritten Film intensivierte er dieses Thema, arbeitete mit dunkleren Harmonien, Chor und breiterer Orchestrierung, um Peters Reifeprozess und die zunehmende Tragik der Ereignisse hörbar zu machen.

Parallel entwickelte er neue Musikthemen und suchte nach Möglichkeiten, bereits existierende Themen – einschliesslich seines eigenen «Doctor Strange»-Themas aus dem Jahr 2016 – ineinander zu verweben, denn in «Spider-Man: No Way Home» treffen zahlreiche Charaktere aus früheren Filmen aufeinander.

Giacchino: „Diese eine grosse Szene mit der Verfolgungsjagd durch das Multiversum ist ein riesiger orchestraler Kampf zwischen Spider-Man-Themen und Doctor-Strange-Dramatik. Dies zu komponieren hatte sehr viel Spass gemacht.“

“Es ging darum, die richtigen Momente zu finden, um diesen Themen gerecht zu werden.”

Michael Giacchino, Komponist

Die richtigen Momente finden

Darüber hinaus war es eine Herausforderung herauszufinden, wann und wie man die bekannten alten Musikthemen der «Spider-Man»-Filme mit Tobey Maguire (2002–2007) und jenen mit Andrew Garfield (2012 und 2014) einsetzen kann, zumal auch diese beiden Spidey-Inkarnationen aus den Vorgängerfilmen in «Spider-Man: No Way Home» ihren Auftritt haben.

Giacchino meinte dazu: “Es ging darum, die richtigen Momente zu finden, um diesen Themen gerecht zu werden.” Diese machen nicht die musikalische Identität von «No Way Home» aus, aber sie sollen zur richtigen Zeit am richtigen Ort eine Hommage an das Spidey-Erbe sein und die Fan-Herzen höherschlagen lassen – denn hier trifft Spider-Man-Filmgeschichte und grosses, dramatisches Kino bild- und tongewaltig aufeinander.

„Eine echte Freude und eine knifflige Angelegenheit”

Giacchino schrieb ausserdem bedrohliche Musik für die Bösewichte, die er geschickt mit Zitaten der klassischen Motive aus den Vorgängerfilmen, komponiert von Danny Elfman, James Horner und Hans Zimmer, verzahnt, ohne seine eigene thematische Sprache aufzugeben.

„Das alles zu einem Ganzen zu verweben, war eine echte Freude und eine knifflige Angelegenheit“, erinnert sich Giacchino, dessen Comic-Fan-Herz hier mindestens ebenso freudig schlug, was man der Musik in jedem Ton – und deren sind es sehr viele – anhört.

Text: Stefan Minder.

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